Weihnachtsgeschichte

Onkel Otto’s Weihnachtsbaum oder
Wenn aus Freunden Familie wird.

 

Es war der 23.12.
Ein Tag wie die Tage davor.
Meine Eltern waren sehr beschäftigt, da mein Papa Anfang Januar seine neue Arbeit begann. Darum mussten wir umziehen.

Einmal quer durch Deutschland

Meine Eltern hatten die Tage davor sehr viel zu tun. Mein Papa hatte die Schränke aufgestellt und Mama hatte sie eingeräumt. Mittags, am 23.12. war das meiste erledigt und Mama sagte zu Papa: „Das war nun viel Arbeit, lass uns den Rest nach Weihnachten erledigen und die Weihnachtsfeiertage ausruhen“

Weihnachten sind wir meist zu dritt. Wir hatten selten Besuch an den Feiertagen. Mein Papa hat keine Geschwister, keine Eltern und die Schwester meiner Mutter wohnte mit meinen Großeltern im Ausland.
Meine Eltern sagten immer: „Das Christkind kommt uns am Heiligabend besuchen und bringt die Geschenke.“
Aber ich hatte es noch nie gesehen.
„Es ist beinahe so wie mit dem Postboten. Es klingelt, man schaut nach, keiner ist da aber das Paket steht vor der Tür“

Papa gefiel der Vorschlag und sagte zur Mama „Ok das machen wir. Ich muss morgen nur noch den Weihnachtsbaum aufstellen, damit wir die Krippe darunter stellen können und das Christkind weiß, wo es die Geschenke abstellen kann“

„Richtig“ nickte Mama und lächelte mich an.
„Wo ist eigentlich unser Weihnachtsbaum?“ fragte Mama „Du wolltest doch einen kaufen bevor wir umziehen, damit du hier nicht los musst um einen zu besorgen“
Papa antwortete mit einem großen breiten Grinsen „JA hab ich! Er steht auf der Terrasse in einen Eimer mit Wasser.“
Mama schaute aus dem Fenster und sagte „Mmmh, da steht aber kein Baum und auch kein Eimer mit Wasser!“
„Waaaas?“ Papa rief und schaute nach.
„Oh nein“ sagte er „Wir haben Ihn vergessen! Er steht auf der Terrasse der alten Wohnung.“

Mit einem großen Seufzer sagte er „Dann muss ich morgen los und einen neuen besorgen.“ Mama schaute ihn mit großen Augen an, zog die Augenbrauen hoch und meinte „Normalerweise wäre es ja kein Problem aber dieses Jahr ist der Heiligabend ein Sonntag!“

Als mein Vater das gehört hatte wechselte seine Gesichtsfarbe von normal zu kreideweiß. Papa schnappte sich sein Handy und schaute im Internet sofort nach, wo der nächste Weihnachtsbaumverkauf war.
Zum Glück war einer in der Nähe.

Auf dem Weg zum Weihnachtsbaumverkauf stand da plötzlich ein Auto auf der Straße und ein Mann mit Warnweste winkte und versuchte Autos anzuhalten.
Aber keines blieb stehen.
Papa sagte zu Mama „Hey schau mal, den Mann kenne ich!“ Mama wollte wissen woher?

„Das ist unser neuer Nachbar, er wohnt zwei Häuser weiter, bis jetzt habe ich ihn nur aus der Ferne gegrüßt.“
„Na dann halt an und frag ob er Hilfe braucht“ sagte Mama.
Papa fuhr rechts ran, ging zu dem Mann und nach einer Weile kam er zurück und sagte zu Mama „Wir helfen ihm schnell und schleppen ihn ab. Nur ein paar Meter in die nächste Werkstatt. Er kann niemand erreichen, denn hier gibt es kein Handyempfang.“

Gesagt, getan. Als wir auf den Hof der Werkstatt fuhren, mussten wir leider feststellen, dass die Werkstatt geschlossen war. Papa schlug ihm vor, dass er mit uns nach Hause fahren konnte.
Er wohne ja in der Nachbarschaft.

Der Mann erwiderte, dass das super lieb wäre, aber er hätte eine andere Bitte. Ob wir ihn zur nächsten Autovermietung fahren könnten. Um ein Auto zu mieten, damit er zu seiner Freundin fahren kann, die etwas weiter weg wohnt. Er möchte unbedingt heute noch bei ihr sein.
Meine Eltern erfüllten ihm den Wunsch und er konnte sich gerade noch ein Auto mieten.

Er bedankte sich 1000 mal und fragte wie er das wieder gutmachen könnte. Mein Vater meinte „Das ist kein Thema und alles ist gut. Aber wir müssen jetzt unbedingt los damit wir noch einen Weihnachtsbaum bekommen“
Wir verabschiedeten uns und fuhren los.

Als wir am Weihnachtsbaumverkauf ankamen waren wir leider zu spät.
Er war schon geschlossen.
Ich stand mit Mama und Papa vor der Tür und weinte. Meine Eltern trösten mich damit, dass es nächstes Jahr sicher wieder einen Weihnachtsbaum gibt.
Papa fuhr noch in der Gegend umher, ob vielleicht nicht doch noch irgendwo noch ein Geschäft offen wäre, damit wir einen Weihnachtsbaum bekommen. Doch leider nichts.

Es war schon spät und wir fuhren ohne einen Baum nach Hause. Als wir ankamen, trauten wir unseren Augen nicht. Auf unserem Hof stand ein fertig geschmückter, mit Lichterketten bestückter Weihnachtsbaum und oben auf der Spitze hängte ein Zettel!

Liebe Nachbarn,
vielen vielen Dank, dass Sie mir geholfen haben. Sie haben es möglich gemacht, das ich heute noch zu meiner Freundin fahren kann, was mir sehr wichtig ist.
Ich habe gesehen, wie Sie vor verschlossenen Türe beim Weihnachtsbaumverkauf standen. Da ist mir eingefallen, mein Baum, den ich schon aufgestellt habe, würde die Tage alleine im Wohnzimmer stehen. So wollte ich Ihnen den Baum noch schnell vorbeibringen. Da ich aber leider los muss und nicht mehr auf Sie warten kann, habe ich Ihnen den Baum vor die Tür gestellt.

Ich hoffe, es ist ok und wünsche Ihnen schöne Weihnachten. Bis bald Ihr Nachbar Otto M.

Meine Eltern und ich waren überglücklich über dieses Geschenk. So hatten wir doch noch einen Weihnachtsbaum, unter den wir die Krippe stellen konnten und das Christkind die Geschenke.

Nach Weihnachten kam unser Nachbar, den ich jetzt Onkel Otto nenne und holte seinen Weihnachtsschmuck wieder ab. Er erzählte uns dann auch warum er unbedingt am 23. bei seiner Freundin sein wollte.
Er hat sie vor einigen Jahren am 23. Dezember auf einem Weihnachtsmarkt kennen gelernt und nun wollte er ihr genau an diesem Tag ein Heiratsantrag machen.

Es entwickelte sich eine große Freundschaft zwischen meinen Eltern, Otto und seiner Freundin die nun seine Frau ist.
Mein Papa war dann auch Onkel Ottos Trauzeuge.

„Aus Nachbarn wurden Freunde und aus Freunde Familie“

Papa sagt mal „Otto sei nun wie ein Bruder für ihn, den er nie hatte“ und darum sage ich Onkel Otto.
Übrigens jedes Jahr (und das schon seit fast zehn Jahren) immer am 23.12 schenkt Onkel Otto uns einen Weihnachtsbaum.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Die Nachmieter unserer alten Wohnung haben uns nach Weihnachten noch eine Karte geschickt. Auf dieser stand: „Liebe Vormieter, durch den ganzen Umzugsstress, den wir hatten, habe wir vergessen, einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Umso größer war die Freude, als wir eingezogen waren und einen Weihnachtsbaum auf der Terrasse fanden.

Wir hatten ein wunderschönes Weihnachten in unserem neuen Zuhause und hoffen sie auch.

Ralf Schuhwerk 2020

Die Feuerwehr Binningen wünscht Ihnen allen Frohe Weihnachten

und eine „Gutes“ Neues Jahr

Bleiben Sie gesund